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Restpostengeschichten
aussortiert von Christoph Vivenz

Nr. 0078: Der Eisstoß

Jetzt gehe ich zum Klo, um mich darin zu waschen - die Waschmaschine ist ja schon mit meiner Wäsche angefüllt, das Waschbecken zu beschwerlich, und die Dusche wird das Wasser nicht los, da unter ihm das Rohr einfror. Mein Glüh- das war ein Freudscher … - mein Kühlschrank ist ausgestellt, alles zu Kühlende ist auf dem Balkon aufgehoben. Sollte ich wieder von meiner Ex träumen oder einen Alptraum verspüren, stelle ich mich kurz dazu, wie auch sonst zum Ausnüchtern, dabei einschlafen dürfte ich nicht wieder, da ich dann erst in tausend Jahren, wenn die Technik so wollen mag, ins Leben getauft - ah nein: getaut werden könnte. Ja, die Toilette zeigt auch bereits erste Anzeichen der Obstipation - nicht, dass ich Leichenteile oder meine eigenen abtrennbaren Überreste meines Selbstverletzenden Verhalten hineingespült hätte, oder Durchfall und Ekelnahrungsreste den Kloabfluss ausgiebiger als sonst behindern … Auch hierher muss das Eis langsam aber aufdringend wachsen, seine Aufwärtsdrift ist unbesiegbar; in den Rohren staut es sich immer zu, ich höre sie knirschen und morgen werden sie sicher bersten. Bald kann ich noch daneben stehen, nicht allein im übertragenen Sinne, bald wird meine Wohnung ihre Hohlheit mit einer Packung Eis auffüllen - ich diene darin dann als bezweifelnswerter ästhetischer Bestandteil, als wie ein in Bernstein eingeschlossenes Insekt, nur eben vorübergehend, bis mein Herz mit dem sich erwärmenden Klima mit mir schmilzt. … Gott, bewahre!




Dies ist eine nicht-kommerzielle Publikation satirischen Charakters
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