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Restpostengeschichten
aussortiert von Christoph Vivenz

Nr. 0074: Nichts als Nudeln

Eine nette Frau wollte sich etwas Gutes tun und machte sich die besten Nudeln ihres bisherigen Lebens aber auch die meisten auf einmal. Die aß sie alle ganz alleine mit großem Appetit und fast noch größeren Folgen. Der Bauch wurde riesig und prall und starb noch im Laufe der Nacht. Seine Bestattung war feierlich und fand draußen im Garten ihr ganz intimes Begängnis. Die Frau verzieh den Nudeln ihre Schuld und legte einen Gedenkstein nieder. Übers Jahr – die Frau hatte sich längst einen neuen schönen Bauch wachsen lassen – war auf dem Grab ein Baum gewachsen, dessen Herkunft sich bald erweisen sollte. Seine Blüten hatten etwas Rundliches mit einem Nabel darin. Die Bienen und Schmetterlinge stürzten sich auf sie und flogen fett und trunken davon. Doch im Sommer wuchsen aus ihnen lange weiß-gelbe Früchte. Die Frau war geheilt und ließ die Finger von allem, was sie an ihre Leibspeise erinnerte, aber ihre Gäste kosteten vertrauensvoll davon und räumten den ganzen Baum leer, denn sie hatten rasch bemerkt, dass es Nudeln waren, wunderbare fette lange Nudeln, die sie nur in Wasser kochen mussten. Vom Essen wurden sie so übersatt, dass ihnen die Bäuche unter schlimmen Schmerzen platzten und halb verdaute Nudeln daraus quollen. Die Frau hatte sie gewarnt und hatte nun weitere Grabsteine in den Garten zu setzen. Und der Samen des Nudelbaumes breitete sich aus über alle Welt oder wenigstens einige Teile der großen weiten Welt und die Menschen schwanden unter Überfressenheit. Der Erdteil war bald von einem Urwald von Nudelbäumen bedeckt, und es wurde eigenartig still.




Dies ist eine nicht-kommerzielle Publikation satirischen Charakters
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