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Miststücke
hervorgestierlt von Mathis Zojer

warum ich hippies hasse, oder: als ich gomera niederbrannte

::: anonymität macht den autor, der sich für sie entscheidet, verdächtig. es scheint, als sei er sich einer schuld bewusst, als glaube er zumindest, dass ihn sein werk auf irgendeine weise diskreditieren könnte, und ziehe es deswegen vor, nicht mit seinem namen dafür einzustehen. obwohl es sich beim vorliegenden werk "warum ich hippies hasse, oder: als ich gomera niederbrannte" dezidiert um einen roman handelt, also um ein gemeinhin fiktives werk der literatur, mögen es einerseits die trivialität der handlung, andererseits der pamphletartige, geradezu gehässige charakter der durch den protagonisten vorgebrachten gedanken sein, die in diesem fall eine klandestine autorschaft durchaus angebracht erscheinen lassen. anregend gestaltet sich die lektüre immerhin in hinsicht auf spekulationen, ob hier vielleicht ein insider das eigene inselnest beschmutzt und angesichts dessen überschaubarer größe ungehaltene reaktionen, gar mobbingakte befürchten muss. der plot selbst ist einigermaßen platt: kettenrauchend und innerlich monologisierend wandert der protagonist durch den lorbeerurwald und hinterlässt, in unverhohlen pyromanischer absicht, seine zigarettenstummel unausgedämpft in der notorisch trockenen inselvegetation. das wegwerfen der noch glimmenden zigaretten ist über gut 350 seiten der einzige gegenstand der handlung - es unterbricht den monolog bei gemäßigtem lesetempo etwa im fünf-minuten-takt -, und der umstand, dass diese brandstiftungsversuche allesamt scheitern ("kack-eu-sicherheitskippen"), sorgt zwar für eine gewisse komik, aber kaum für erzählerische substanz. hauptbestandteil von "warum ich hippies hasse, oder: als ich gomera niederbrannte" sind die hemmungslosen schimpftiraden des (sinnigerweise ebenfalls namenlos bleibenden) protagonisten. die frage, ob selbige nicht besser in den anonymen internet-ergüssen eines forumstrolls aufgehoben wären, als in einem als "roman" abgestempelten buchumschlag, sei dahingestellt. zitat: "da hocke ich nun also auf diesem lavapickel im atlantik, und ich kann nicht anders, als sie alle zu hassen. die hippies, vielmehr pseudohippies, posthistorische treppenwitzfiguren, erbschleicherische karikaturen, die mit dreadlocks barfuß über die insel schlurfen, um sich mit sonnengereiften fruchtsalaten, trommelei, bekifftem gelaber, abendlichen ausdruckstänzen und morgens noch ein wenig yoga in einklang mit dem kosmos zu bringen. es tut mir sehr leid, aber ich verspüre keinen hauch von alternativem lebenswurf, wenn ich durch ihre ‚künstlerdörfer' spaziere, nur die windstille eines in kreativgruppen und esoterik-seminaren organisierten frührentner-daseins. bildnerisch gestaltete harmlosigkeit der überaus netten kategorie ‚zeichnen, malen, formen'. […] endlich urlaub für immer. selbst als aussteiger bleiben sie touristen. die germanische präpotenz lässt sich auch mit noch so viel salzwasser nicht von der seele waschen, da kann sie baumeln, so viel sie will. ihre beckmesserei hält sich im migrantischen hintergrund, aber sie ist unleugbar da. sogar als hippies verkleidet in bunten batikgewändern bleiben sie bieder, borniert und spießig. bitte schön, ich bin in mich gegangen mit der frage, ob mein hass auf sie auf meinen eigenen defiziten beruht, an mangelnden selbstwertgefühlen, am neid aufs friedliche kleine paradies von wahlinsulanern, aber auch wenn ich zu solchen ressentiments durchaus fähig wäre, reicht es mir, sie einmal anzuschauen, um zu wissen, dass ich niemals sein will wie sie. die selbstverwirklichten haben keine ausrede mehr für ihre hässlichkeit. mit ihrem so fröhlich praktizierten eskapismus beweisen sie sich und allen anderen, dass sie immer schon ganz weit weg waren. einfach nur fort, auf und davon. daran wäre nichts auszusetzen, sie gehen ja niemandem ab, und dennoch: es ist diese selbstzufriedene dummheit ihres glücks, die mich so rasend macht, dass es mich gelüstet, sie mit adorno-taschenbüchern knallend zu ohrfeigen, links - ‚es gibt kein richtiges …' - und rechts - ‚im falschen'. […] wie ließe es sich denn heute noch ernsthaft aussteigen? bereits der ganze planet trägt züge des irreversiblen, ist als mundus moribundus siechend übersät mit points of no return." zitat ende. am schluss des buches scheint der autor die bisherige handlungsarmut durch ein aufgesetzt actionreiches finale wettmachen zu wollen. der protagonist hört mit dem rauchen auf und verschüttet zwei kanister benzin im wald. der von ihm entfachte brand holt den vom tatort fliehenden allerdings ein, woraufhin er brennend über die klippen läuft und ins meer stürzt. (und sagen sie jetzt nicht, das wäre ein spoiler, ist doch das ganze buch ein einziger.)




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