ein einsames haus im waldviertel mit großem, blickdicht umwachsenem garten. ein bärtiger mann, etwa 50, geht im hohen gras auf und ab. er spricht mit sich selbst.
::: endlich. endlich habe ich es geschafft, der endlichkeit meiner existenz eine letzte ruhestätte zu verschaffen. und doch. und doch vermag ich es nicht, meine unrast niederzuwürgen und zu bestatten auf diesem friedlichen stück grund, das mir gehört, mir ganz allein. was für ein trug. was für ein schwindel. erfolgreich bin ich aus dem übelkeitserregenden jahrmarktskarussell der bankrotten menschenges.m.b.h. ausgestiegen, doch mir ist, als drehe sich das hirnwasser in meinem schädel immer noch weiter und weiter. ein ganzes neues leben bräuchte ich wohl, um mein altes zu vergessen, doch so viel zeit habe ich nicht. ich habe nicht genug zeit, um mich restlos zu desozialisieren, um mich auch innerlich zu distanzieren, abzugrenzen vom verhassten menschenpack, diesem geschäftigen haufen raubgieriger, selbstsüchtiger, verbissen herumrangelnder affen, und vielleicht die sprache der über die wiese tänzelnden schmetterlinge zu lernen. mein vermögen reicht aus, um zehn jahre lang hier zu hausen, ohne einer prostitution meiner tatkraft, vulgo erwerbstätigkeit, nachgehen zu müssen. danach, so mein hieb- und stichfester plan, bringe ich mich um. zehn jahre einsamkeit, frei von verpflichtungen, frei von belästigungen, frei von allen körperlichen bedürfnissen, die nicht selbst befriedigen kann, denn ich habe mich chemisch kastriert und benötige den pimmel, gemeinhin tragende säule aller gesellschaftskonstrukte, nur noch zum pissen.
der mann öffnet seine hose und uriniert in einen ribiselstrauch.
::: nur noch zum markieren meines reviers benötige ich den pimmel, und nicht einmal dazu. niemand darf meinen privatgrund betreten, niemand darf einen blick auf ihn werfen. so steht es im grundbuch, so steht es im gesetz, und so steht es in meinem waffenschrank, dem ich binnen sekunden eine gut geölte und geladene flinte entnehmen kann, um …
mit seinem penis in der hand steht der mann einige minuten lang regungslos da. längst fällt kein tropfen mehr ins gras. schließlich macht er seine hose zu und geht ins haus. nach einiger zeit ertönt ein lauter knall. vögel flattern erschrocken auf. schluss. aus. sodala, das war ja wieder mal ein wahrlich kurzes hörspielmiststück. es hätte doch auch irgendwie besser ausgehen können. zumindest mit offenem ende. das hätte dann auch über die kleinen ungereimtheiten hinweggetröstet. warum spricht der verdammte kerl überhaupt so geziert mit sich selbst? und das noch dazu im radio.
