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Horror zum Niederlegen
von Mathis Zojer

Nazi-Vergleiche revisited

Nachdem eine streitbare Verteidigerin der wohlverdienten Privilegien unserer Leistungsträger bereits mahnend daran erinnert hatte, dass die Reichen die wahren Opfer des Nationalsozialismus waren, und die sogenannte Judenverfolgung nur der Verbrämung dieser Tatsache diente, gelangte nun also ein prominenter Burschenschafter, der mit seinen Gesinnungsgenossen unter Polizeischutz zu einem Ball in der Hofburg geleitet wurde, zur überraschenden Erkenntnis: "Wir sind die neuen Juden." Bestünde die dafür ausgestellte Quittung weniger in reichweitenstarker Empörung, vielmehr in ungläubigem Gelächter und traurigem Kopfschütteln, so erschiene das nur billig und gerecht, aber vergessen wir nicht, wo wir sind: in einem Land, in dem noch die hellste Empörung dazu dient, danach umso tiefer zurückzusinken, aufs wohlsituierte Sitzfleisch, mit dem sich immerhin (fast) ein Orden verdienen lässt, schließlich sitzen wir alle auf demselben Karren, und der steckt bekanntlich im Dreck. Auf was für zündelnde Ideen, meine Damen- und Herrenmenschen, kommen Sie also als Nächstes? Werden erklärte "nationale Sozialisten" behaupten, Alpen-Donau.info sei die neue Weiße Rose? Wird ein Salzburger Weihbischof den heutigen Widerstand gegen eine Neuauflage von "Mein Kampf" mit den Bücherverbrennungen der Nazis gleichsetzen? (Hoppla, Letzteres ist ja wirklich passiert.) Das Mitleid hält sich allerorts in Grenzen. Dafür schlägt die Wut gegen die Mitleidlosen bisweilen über die Stränge, mit Gewalt, die der Sache schadet, auch wenn diese eine gute ist, und jene gegen Einrichtungen gerichtet, die die Empathielosigkeit gepachtet haben, seien es nun Burschenschafter-Buden oder Pelzgeschäfte (denn Rassismus und Speziesismus lassen sich mit ihren starren Bezugssystemen von Wir-Gefühl und Ihr-Gefühllosigkeit natürlich sehr wohl vergleichen). Im Ministerium der Liebe, Sektion für Täter-Opfer-Umkehr, rauchen womöglich bereits die Köpfe über der Frage, wie die Antifa-Bewegung oder auch gleich die gesamte "linke Jagdgesellschaft" mit dem Gummiknüppelparagraphen 278a zur kriminellen Organisation erklärt werden kann. Und irgendwann, wenn alles klappt, wird die einzig erlaubte Form des Protests darin bestehen, den "Gefällt mir"-Button nicht zu drücken, was am auf Opern-, Jagd- und Korporationsbällen gefeierten Abstimmungsergebnis freilich nichts ändern wird: doubleplusgood.




Dies ist eine nicht-kommerzielle Publikation satirischen Charakters
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