Ich hab’s gut, ich bin mein eigener Ghostwriter. Jede rechtlich
problematische Wertschätzung schiebe ich auf ihn, also denn doch auf mich!
Bezahlen tu ich mich heimlich, somit kann wenigstens ich selbst über mich
sagen, dass ich einer ertragreichen Beschäftigung nachgehe! Lachen wir
nicht, das ist nicht zu vergleichen mit den einsamen Seelen, die sich
selbst Briefe, Karten und E-Mails schreiben oder sich mittels zweier
getrennter Chataccounts selbst beflegeln und die Zeit stehlen!
Das Problem an dieser Konfiguration ist bloß, dass ich arbeiten gehen
muss, um meine Honorare begleichen zu können, wovon ich allerdings ganz
heimlich mein unerkanntes Dasein friste.
Abgesehen davon, dass ich mit Stilistik, Werktreue, Inhalt, Originalität
vollkommen zufrieden bin - nun ja insofern und soweit, wie ich selbst
imstande wäre, nicht mehr aber auch nicht weniger …, gehe ich gänzlich
unbefangen mit den Manuskripten um, setze meinen Name darauf und freue
mich fast diebisch daran. Gerade darin liegt ein Ursprung meiner
Unzufriedenheit. Ist es doch ein anderer, dessen Name mein Geisterwerk
schmücken muss - die kreative Arbeit wird entlohnt, nicht mir, sondern mir
zugeschrieben, ich bin bloß verdingt, Lohnarbeiter, Angestellter meiner
selbst aber dennoch eines anderen. Jede Medaille muss zwei Seiten haben …
ich bin meine eigene - das muss nicht paradox genannt werden! … Von wem
auch, da gemäß anderen Ghostproduktionen die Identität dieses
Arbeitsverhältnisses unentdeckt zu bleiben hat. Auch meine Dissertation
habe nicht ich verfasst, nur mein zweites Ich - stellen wir uns vor,
jemand käme dahinter … Selbst wenn ich bewiese, dass im akademischen Sinne
alles einwandfrei vor sich gegangen, lauter gearbeitet wäre und die
Autorenschaft belegen könnte, die Arbeit würde mir im rechtlichen Sinne
wohl nicht anerkannt aber abgesprochen werden … und denken wir uns meine
gesamte Universitätslaufbahn zurück! Wann die Abgabe meiner eigenen
Urheberschaft an mich, ohne auf sie äußerlich zu verzichten, ihren Anfang
nahm, müsste ich erst genauer überlegen. Das braucht Zeit, die nur ich
habe in meinen Mußestunden, die mein anderes Ich zur selben Zeit nicht
haben kann, zur Produktion gebraucht, benötigt.
Manchmal schwindelt es mich ganz schlimm, es scheint, als müsste ich
stolpern über mich und wüsste nicht, wer hat mir ein Bein gestellt. Ich
schlage auf der Erde auf und schlage mir die Nase blutig beziehungsweise
die Nase wird mir blutig; wissen wir, was zutrifft? … Ich gestehe, noch
übertreibe ich leicht.
Gelegentlich fühle ich mich ungemein beansprucht, obwohl ich eben erst aus
langem gewissermaßen traumreichen Schlaf erwacht bin. Meine Übermüdung
kann sich über Tage, Nächte hinziehen und mich an den Rand des
Zusammenbruchs bringen. Noch kommt es ein paar Male die Woche vor, dass
wir beide schlafen.
Es wird schon weitergehen mit mir. Ich bin frohgemut. Meine Texte werden
verlegt, von einem kleinen anspruchsvollen Publikum gelesen. Etwas muss
also richtig sein an unserer Arbeit, wir mögen sie nicht Symbiose nennen,
aber noch tragen beide dazu bei. Sollte das Ergebnis einmal nicht
zufriedenstellend sein, ist es allerdings doppeltes Malheur. … Nicht? Auf
alle Fälle: sozusagen.
Natürlich darf von mir niemand wissen, allein von mir. Ich werde nichts
verraten, werde mich nicht verraten, werde uns nicht - Verzeihung: mich
nicht preisgeben.
Ich glaube auch nicht an Geister!
