Samstag Nachmittag, viel zu schwer bepackt für Arbeit und späteren Abendjob und gekleidet weder geschmacklos noch übertrieben, einen Platz gefunden für Gepäck unter dem Sitz und auf den daneben und für sich in einem unerwartet überfüllten Bus.
Ein nicht ganz mittelalter Mann in Klischeebekleidung verlangt rigoros den mit schwerem zerbrechlichen Gerät gefüllten Platz, der ihm mit Hinweis auf die situative Schwierigkeit überlassen wird, zudem ihm solch ein baldiger Transport nicht gewünscht. Ich fühle mich bedrängt, überhäuft, festgesetzt, an ein Ausweichen ist nicht zu denken.
Der Mann dankt nicht, sondern redet weiter auf mich ein: Ham's denn an Fahrausweis für das Zeug?
Er schaut mich an und wittert seine Chance, die Szene nicht nur räumlich zu beherrschen. Ich mache den Fehler ihm zu antworten, weiß nicht, wohin sonst. Er will nicht aufhören. Er fühlt sich wohl. Ich mich spätestens durch seine Nähe nicht. Ich sage so bestimmt wie möglich: Sagen Sie nichts, und ich bin still!
San's hysterisch? Und schließlich: Sie Schwuchtel Sie, sagt er. Dass er mich nicht gleich duzt.
Wissen Sie, dass Sie mich eben sexuell verbal belästigt haben?
Er versteht es nicht.
Wissen Sie das? Ich werde lauter.
Wissen Sie das? Er grinst.
Wissen Sie das?! Nun hört es vielleicht auch der/die FahrerIn.
Ja. ....
Wie heißen Sie, dass ich Sie wo melden kann? Meine armselige Rhetorik.
San Sie noch normal?
Mit Ihnen im selben Staatsverband nicht.
Ein Sitz auf der anderen Seite des Ganges wird frei. Trotz der schweren Menge an Gepäck springe ich dem mit allem schnellstens zu. Nun hat der Mann viel Platz für sich.
Eine junge Pfadfindergruppe steigt zu und gruppiert sich zwischen ihm, den hergeschaut habenden umsitzenden Fahrgästen und mich. Der Mann fängt an stereotypisch auf sie einzureden, vor Allem auf die Kinder: Jeden Tag eine gute Tat!
Ich kann mich nicht enthalten, jenen vor mir deutlich mitzuteilen: Vorsicht: dieser Mann ist ein Frauenhasser und ein Kinderhasser.
Es sitzen nur Frauen sonst in der Nähe. Es scheint, sie lächeln ein bisschen.
