Alle Toten stehen auf, sie brechen aus den Gräbern, Grüften, Karnern, Urnen, den Umgebungen ihrer Ringsumstreutheit und Vermengung, Stapelung, seien sie auch archiviert, museal geordnet oder mit den Stätten ihrer Verwestheit aufgelassen, gestört und vermengt, versunken und verstreut. Die Toten stehen auf. Wohin sie eilen werden, steht nicht fest. Die Toten sind immer unterwegs. Wir entdecken das zumeist nicht, und Geisterseher werden entweder von Hand zu Hand gereicht, esoterisch ausgeschlachtet, Schriftstellernde oder stationär behandelt. Alle Toten, das ist fürwahr eine aufzubietende Menge, und erscheint uns dies nicht von irgendwo bekannt? Wie, stellt sich die Frage nicht, seien sie unterzubringen, gar zu verpflegen. Solche stattliche Mengen möchten die Erde zum Einsturz bringen, wäre sie nicht schlechterdings zu schwer, all die Menschen allein, die seit Anbeginn ihrer Erschaffenheit auf ihr gelebt, zugebracht haben … das hielte kein Universum jemals zu gleicher Zeit, am selben Orte aus. – Wie gut, dass sie verwest sind. Friede ihrer Asche, der Friede am Hof versteht sich etymologisch als umfriedende Zäunung.
Ach je, heute stehen die Toten auf, das heißt, sie sind ja immer unterwegs. Mit heißer Uneindringlichkeit regen sie sich in unserem Geist … wie Geister, wer von allen uns ist ruheloser. Wer richtet wenige Schaden an? Doch schlechterdings, das der Materie entbehrt.
Ach so, heute stehen die Toten auf. Damit eine Handlung zum Horroranlass passiert … hm: ja, die Toten, die Toten, die Toten, die … sie marschieren auf unsere Träume zu, krallen sich voller Ruhe fest und impfen uns Verwesliche mit ihrer uneigennützigen transparenten Feinstofflichkeit vor der Unbill der Zukunft, die wir ständig auf unserem Vorlauf zum Tode austragen, Süchtige unter uns werden schließlich high unter diesem Myriadenansturm – was, wenn mich alle Toten dieser Welt jäh durchziehen, ich muss denn sehr verwirrt werden. Leicht könnte eine Überdosis Unbedachtsamkeit auslösen, jähe Kettenreaktionen der Fleischlichen stinkenden wandelnden Zukunftsleichen. Na, stellt euch vor, die erheben ihre Hände gegen andere Friedhofsgänger oder sich oder die zivile Ordnung, aber was ist nun der Unterschied dazu, sollten die Toten doch nicht aufstehen?
Ach.
Herrje.
Was machen wir denn da?
Weiter machen?
Wird es dann schlimmer?
Ich gebe zu, ich sage diese Worte mit größter Unbedächtigkeit.
Hatschie. Kuz-kuz!
Ich gestehe: Ich glaube reihenweise an Geister. So können zweifellos nur Lebende.
Ein Geist weiß nicht, dass er nicht mehr lebt.
Den Umkehrschluss, dass alle Gegenwärtigen davon ausgehen, wenn sie jeden Tag aufstehen, ausgehen in ihn hinein, wissen, dass sie leben oder zumindest danach handeln, behaupte ich mal nicht. Vielleicht muss ich jetzt rülpsen, nicht gleich einen Geist aushauchen?
Ach was!
