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Horror zum Niederlegen
von Christoph Vivenz

Die Stiefnichte der Medusa

Mit dem Draht um den Hals rannte die mutierte Fee durch die Straßen der riesigen Stadt. An manchen Ecken hielt sie an und riss einem Passanten den Kopf zur Seite, und wenn er ihr gefiel, fand sie auch für diesen scharfen Draht in ihren schönen langen sehnigen Händen. Der Abend zog sich unter ihrer gespannten Schlinge unabsehbar in die Länge. Viele Opfer standen bereit. Der Mond schien heute besonders gut geschminkt, der Form nach ein Katzenauge. In zungenloser Sprache sandte sie ein Gebet um das andere zu der kalten Gottheit auf, feucht die Lippen, ungeordnet das Haar. Niemand hielt sie einer Mühe wert. Da wurde ihr besser, glaubte sie. Manchmal wischte sie einen Tropfen aus dem Gesicht, das sich langsam gerötet hatte, biss sich in das Fleisch zwischen zwei Fingern und war wieder allein, fühlte sich ungeschliffen und musste weiterlaufen durch die Straßen. Mancher Vampir mochte ihr in den Weg treten, er sah bald ein, dass seine Zähne keinerlei Bedrohung hatten gegen solche einsame Entschlossenheit und hieb sie in die nächste Mauer oder stritt sich mit Katzen und Türstehern um Ratten jeder Größe.
Mit zitternden Armen durchlief die rasende Fee Block um Block, sah brennende Autos und verdrehte Männern und anderen die Köpfe. Sie bevorzugte keine Richtung dabei. Die Luft erntete etwas vom frischen Dunst der Leiber. Verrissene Gestalten, zusammengepresste Augen. Sie diffundierte weiter.
Die Nacht wurde knapper. Gleich würde die Dämmerung über sie hereinbrechen, ihr die Sinne rauben. Und dann war der Tag wieder so langweilig, tödlich, schal, schlaflos. Die Fee begann zu rasen, Staub, Schweiß, Aura wollten heißer aus ihr leuchten. Man bemerkte sie. Hundefänger machten sich daran, sie zu jagen. Auf einer Bananenschale als Unterlage schlitterte sie über die Straße, entging gerade noch dem profanen Tod durch Zusammenstoß mit zig Pferdestärken und verschwand in der Mauer eines Gemeindebaues.
Weiteres ist noch nicht bekannt. Möglicherweise hat sie einem älteren Manne dort im Erdgeschoss einen Heiratsantrag gemacht.




Dies ist eine nicht-kommerzielle Publikation satirischen Charakters
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