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Horror zum Niederlegen
von Mathis Zojer

Eine Jagdgesellschaft

"Sie schießen auf uns aus allen Rohren, treffen uns aber natürlich nicht", schwadronierte Siegfried Mannsbrunn-Poupard munter drauf los, während er eine Gruppe von hohen Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft durch seine blutgetränkten Jagdgründe führte. "Diese Stümper. Diese wehrdienstverweigernden Hosenscheißer. Diese ökokommunistischen Tofufresser ohne Mumm und Mammon. Die würden keinen angebundenen Geißbock treffen, selbst wenn wir sie in einen mit Luft-Boden-Raketen bestückten Eurofighter setzen. Was den Waidmännern die Büchsen, sind der Nation die Abfangjäger. Und spätestens wenn die Hungerleider in den afrikanischen Wüsten gelernt haben, wie man Flugzeuge baut, wird auch die ganze Pazifistenbagage hierzulande froh sein, dass wir für die Luftabwehr gerüstet sind. Geht's dem Waffenhandel gut, geht's uns allen gut! Aber ein wenig unangenehm ist diese mediale Hetzjagd schon. Es ist durchaus unangenehm, ständig als Schwein dargestellt zu werden."

Grinsend gab Mannsbrunn-Poupard Grunzlaute von sich. Der neben ihm schreitende Geschäftsführer eines bundesweiten Infrastrukturversorgungsunternehmens lachte herzhaft.

"Aber zu unserer Erleichterung", fuhr Mannsbrunn-Poupard fort, "und nicht nur unserer steuerlichen, leistet uns die Frau Minister, eine höchst gewissenhafte Person, auch hier ausgezeichnete Schützenhilfe. Ausgezeichnet, dass endlich klargestellt wird, dass die Reichen die wahren Opfer des Nationalsozialismus waren, und die sogenannte Judenverfolgung nur der Verbrämung dieser Tatsache diente. Und genauso gefährlich ist auch heute wieder der Zorn des arbeitsscheuen Pöbels. Da fehlt nicht viel, und er strömt mit brennenden Fackeln in unsere Schlossparkanlagen, in die wohlverdienten Erholungsräume der Leistungsträger, deren herrschaftliche Besitztümer hart erarbeitet sind, hart erarbeitet, bitte sehr … äh, ich hab den Faden verloren, wo woar …? Mei Leistung, genau. Unbegreiflicher Hass auf die Tüchtigen, ganz genau. Die Frau Minister hat die Bedrohung, die von den zu kurz Gekommenen ausgeht, nur zu gut erkannt. Da wird einem richtig mulmig zumute. Da nehm ich gleich einen Schluck Göring-Schnaps, Pardon … Auf ihr Wohl, Herr Reichsjägermeister! Pardon. Na, und die ganze Journaille ist uns plötzlich geschlossen auf den Fersen, geifernd wie eine Meute spurlauter Hunde."

Mannsbrunn-Poupard machte das Kläffen eines Dackels nach. Der hinter ihm her pirschende Sektionschef eines bedeutenden Ministeriums kicherte vergnügt.

"Als hätten wir mit der Tierschutzmafia nicht schon genug kriminelles Pack am Hals", sprach Mannsbrunn-Poupard zunehmend angeheitert weiter. "Diese impotenten Pflanzenfresser müssten endlich zum Abschuss freigegeben werden, dann hätten diese lächerlichen Jagdstörungen schnell ein Ende. Wir haben uns das Recht, Bleikugeln im Fleisch der heimischen Wildtiere zu versenken, teuer erkauft! Nur wir haben das Pouvoir, die Penetration des Animalischen durch den männlichen Logos standesgemäß zu zelebrieren! Und wenn sie mich fragen: Wer die Macht, Leben zu nehmen, nicht genießt, wer nicht aus reinem Vergnügen tötet, der kann kein echter Mann sein. Nichts für ungut, Frau Baronin von Erbsenburg. Frau Baronin? Sie weilt wie ich sehe gerade nicht unter uns. Nun, bei ihrer Kurzsichtigkeit wäre es wohl kein Wunder, wenn sich die alte Dame wieder einmal im Wald verlaufen hat. Um unser öffentliches Image ist es jedenfalls schlecht bestellt. Bislang kannte ich eben nur PR ohne P, also reine Relations, nicht-publike Beziehungen, natürlich auch solche ins Innenministerium, dieses wacker schlagende Herz der Finsternis, das durch Kontakt mit zu viel Licht wohl endgültig zum Stillstand käme. Vielleicht müssen wir ja doch umdenken. Diese tägliche Schmierage in der Presse schreit doch nach ein paar satten Investments in die Medienbranche. Sonst muss man sich ja jedesmal, wenn man die Zeitung aufschlägt, angesprochen fühlen wie ein kapitaler Hirsch …"

Mannsbrunn-Poupard imitierte gekonnt das Röhren eines brünftigen Bocks, doch das Gelächter, in das die Jagdgesellschaft auszubrechen sich anschickte, erstarb bereits im Ansatz, als unvermutet ein donnernder Schuss fiel, der nur langsam in den Weiten des Waldes verschallte.




Dies ist eine nicht-kommerzielle Publikation satirischen Charakters
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