Ich bin mein eigenes Geheimgefängnis. Sagte es wieder, als es seinen Mund
aufkriegte. Das Kind, ja, das, und Geschlecht hätte es sich keines
gegeben. Seine Blicke suchten den Kater von den Nachbarn, das Fenster war
jedoch mit der Rollo verhängt. Er würde bestimmt dahinter sitzen, brächte
etwas Besänftigendes, Einigendes. Er mochte einen gewohnten Anblick.
Ich hoffte mich jemals wieder schöner zu empfinden wie einen Besen.
Meinen Bauch ignorieren wir, sagte es zu sich. Ich missbrauche mich auch
nicht länger. Ich habe aufgehört, die Chipspackung habe ich aufgegessen,
und mir ist schlecht aber nicht ganz, und es hat so grauenhaft geschmeckt.
Jetzt mag ich lange nicht. Ich kann nicht mehr viel Blödsinn machen.
Dann schlafe doch gut. … Was siehst du – sehen Sie mich so an! Perdon,
pardon. In der Tat, die fremde Gestalt, der Eindringling saß wieder da.
Das doch immerhin. In Entfernung einiger, es konnte gar nicht sagen, wie
vieler Meter. Kaum war ein Gesicht zu ermessen, eine überhaupt genaue
Bestimmung möglich.
Ich fable an der Haftung. Hänge ich am Boden fest, hat er mehr zum Schwingen.
Was ist denn heute los ist? Haha, ich sollte eine Horrorstory schreiben,
aber ich kann mich nicht konzentrieren. Ich bin heut so traurig und
heimatlos in mir, da sind nur wichtige Fragen wie solche recht.
Welche Fragen? … Aber das andere ließ sich nicht aufhalten, sprach gleich
weiter: Liegt nicht in der Zuwendung ein Schrecken, der Horror ganz
heimlich dem zu Grunde?
Ich fühle mich umflort oder fest im Griff durch sie? ich habe ein
Konzentrationsproblem, mich vom mich beherrschenden Trauma wegzubewegen.
Allein schon, um die aufgetauchte Sprachstörung zu bekämpfen, schreie ich
daran herum. … und es laden sich alle möglichen Symbole damit auf.
Du wirst später schon andere Symbole finden für anderes.
Ich fürchte, ja. Dass ich die Dunkelheit seit neuestem fürchte, macht mich
ganz heimatlos. Mir ist das auswärts bange in der Nacht. Hier drin macht
es sich nicht wohler. Es beruhigen die Katzen und die relative Sicherheit,
nicht aber die Gedanken und dass ich gar nicht richtig lebe. Wie geht es
mir damit?
Stellen Sie sich schon selber Fragen? Nun ja, vielleicht gehören die ja
Ihnen!
Bitte, was reden Sie da?
Es kann mehr eine Falle als eine Zuflucht sein.
Es kam das Rausgehen und Flüchten, das Verleben und Verlieben, das nicht
um meine Dinge Kreisen oder mich genau in lauter Musik zu finden und dort
Gedichte schreiben oder in Trance zu tanzen. Und jetzt ist das hier ein
Asyl. Manchmal ist es gut am Tag. In der Nacht fehlt die Poesie, die
schöne Gefahr, denn die plumpe Gewalt und die Angst davor kamen zurück.
Kann ich sie geographisch denn begrenzen? … Eine ganze U-Bahnfahrt über
belästigt werden - da wären die Bezirke bedeutungslos.
Besser eine Gegend als ganz Wien.
Und nicht in meinem Kopf? Steckt sie hierin nicht? Ist sie anderswo,
außerhalb meiner?
Ich werde bloß so wütend werden, dass ich mich selbst einsperre wegen
freilaufender Bastarde.
Wohin gehst du?
Nicht auf die Toilette, nicht springe ich vom Dach. Nur falle ich ins Loch.
Ein Schweigen bereitete sich auf Ausdehnung vor. Die andere Person verlor
an Transparenz – wohin sie selbst entwich, war nicht zu sehen. Ganz konnte
sie nicht verschwunden sein. Das Kind fühlte sich verpflichtet sitzen zu
bleiben, zu warten, nicht der Entspannung hingegeben zu sein, sich alleine
fühlend hinsinken zu lassen, allmählich an Geradheit und Haltung zu
verlieren, schließlich auf dem kalten Dache ausgestreckt zu liegen und
sich hingestreckt nicht weiter zu rühren.
Es vergingen einige Minuten.
Agieren tatsächlich nur Männer so feige und recht auf ihre an
Stellvertretern, -innen auszutretende, abzusteigende Tobsuchtsanfälle
Anspruch erhebend. Meinen die das sich entschuldigend, die dürfen das,
weil ihnen gerade wer zurechtkommt für die rote Wut. Sind die alle
missglückte Vatermörder und Vergewaltiger, falls sie nicht bereits die
zweite Frau geschwängert haben.
Ach, Ruhe aus? Einen Selbstverteidigungskurs machen? Ist ja kein
Angriffsschlag, … räsonierte die Person.
Ah, das dumpfe Brüten ...
Was denn, vielleicht ist der geheime Kniff doch nur der Tritt in das
Gemächt.
Wozu ist es da? Um wenigstens eine Schwachstelle zu bieten? Aber die
Feigen können auch von hinten kommen, wo ich keine Augen habe. … Muss ich
an Gewalt denken; bin ich ihnen damit nicht ähnlicher? Mir selbst
widerwärtiger und damit mir selbst ein Widerling im Kopf, ein Söldner
meines brutalen Überlebens?
Manchmal wollen Frauen auch.
Tröstet Sie das, mich oder jemand?
…
Ja, schweigen wir.
Wenn Sie es wünschen. Aber greifen sie nicht zur Flasche. Masturbieren Sie
am besten nur im Dunkel, stellen Sie sich kein Menschenkind dabei vor. …
Nun, was glauben Sie: gelingt es Ihnen … Haut das hin!?
Ich strecke mich doch nur aus.
Aber merken Sie nicht, wie kerzengerade Sie dasitzen?
Oh, mag sein … Merken Sie dagegen nicht, dass Sie eventuell – ich betone:
eventuell nicht hier befindlich sind?
Was wissen Sie denn so genau, Sie … Sie Kind!
Jaja, schön wär’s!
Was denn?
Was denn …
Sind Sie böse, aggressiv?
Wütend.
Ja, das soll Ihnen vorerst niemand nehmen.
Habe ich gesagt, dass ich Menschen mag? v
ein Individuum hat das andere umbringen wollen, das es nicht kannte. So
was passiert dauernd irgendwo.
… Es gab sich selbst zur Antwort: Genau. Aber wir leben weiter. das ist
Aufgabe aber auch Vorhaben, muss so sein. v
Muss, sagte das andere.
Anstrengend.
Jawohl. Es mochte dieses Wort nicht. Wie Sie meinen … Der Satz bedeutete
nur eine Erleichterung in formaler, keineswegs semantischer Hinsicht. …
Hinsicht, was ein blödes Wort. … Was ein blöder Sprecher. Was ein blödes
Kind. Was ein Haufen Müll … Bananenschalen, frisch auf einen Weg
geworfene, wenigstens rutscht auf denen garantiert ein rotsüchtiger Barbar
aus und fliegt auf die Nase … Plumpst. Natürlich nicht auf die Schalen –
Natürlich nicht. –
Es verlor sich nun endgültig. Die Gedanken sprach nun ein anderes. Es
schnippte mit den Fingern Das Kind verflog, löste sich in alle Winde …
… die gerade nicht bliesen.
