Die Kinder bekamen große Angst, weil sie ihre eigenen nächsten Schritte hörten, das leise Geräusch von Kinderschritten, die sie noch gar nicht gemacht hatten, die ihnen aber wie von Gespensterfuß vorauszueilen schienen. Ich hob sie auf, ein Kind auf jeden Arm, und trug sie weiter, fest an mich gedrückt. Ihre Schritte waren noch immer zu hören.1
1) Ich werde diesen Traum nicht interpretieren, nicht behaupten, das Unheimliche an ihm bestünde in der Vorstellung, selbst die Schritte eines Kindes, dieses Ideals noch ungebändigter Lebendigkeit, könnten voraussehbar, gar berechenbar sein, indem sie einem physikalischen Determinismus unterworfen wären, wie das mechanische Tapsen einer Aufziehpuppe, oder als würden sogar die unerzogenen kleinen Lauser, die wir alle einmal waren, in einem zähflüssigen Schicksalsamalgam aus biosozioökopsychologischen Einflussfaktoren dahintreiben, in kalten ontogenetischen Kausalzusammenhängen, die einem das Strampelhöschen zu Eis erstarren lassen, als hätte man an den nutzenmaximierenden, prozessoptimierenden, verhaltensreglementierenden, körperdisziplinierenden, mentalkonditionierenden, staatsräsonierenden, polizeidirigierenden, konsumterrorisierenden, weihnachtsdeprimierenden Zielgruppenzwangsjacken aus dem fatalistischen Kindermodengeschäft nicht schon schwer genug zu tragen, als wüssten wir nicht sowieso, worauf diese ganze schreckhafte Infantilität, zu der wir lehrplanmäßig erzogen werden, hinausläuft (Soll ich sagen? Soll ich sagen?), ich werde das alles also nicht behaupten, nein, nein, werde ich nicht, werde ich nicht, werde ich nicht usw.usf. Streichen, Sie, das, Kindchen.
