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Das erotische Betthupferl
von Günter Neuwirth

Vielen Dank für das Gespräch

„Guten Tag, mein Name ist Karin Gruber von Direktruf Consulting GmbH. Spreche ich mit Herrn Felix Pribil?“

„Karin? Bist es wirklich, Karin?“

„Ja, Karin Gruber mein Name. Sind Sie Felix Pribil?“

„Ja, ich bin’s, natürlich bin ich es. Karin, hast du endlich meine Telefonnummer gewählt!“

„Ich rufe im Namen der Buttenberg Bank AG an, bei der Sie ein Konto haben. Wir führen eine telefonische Kundenbefragung durch. Herr Pribil, haben Sie vielleicht ein paar Minuten Zeit für mich?“

„Karin, ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich deinen Anruf schon erwartet habe. Ich habe mich in all den einsamen Stunden, in all dieser zermürbenden Qual nach nichts so sehr gesehnt, wie nach dem Klag deiner Stimme. Und jetzt endlich, jetzt rufst du an! Ich habe nicht nur ein paar Minuten Zeit für dich, ich schenke dir alle meine Atemzüge.“

„Vielen Dank, Herr Pribil. Wir möchten Sie fragen, ob Sie ganz allgemein mit den Dienstleistungen der Buttenberg Bank AG zufrieden sind?“

„Was heißt zufrieden? Ich bin glücklich! Ich bin hingerissen! War ich vom ersten Moment an, vom ersten Augenaufschlag an, von der ersten Sekunde, in welcher du schwung- und verheißungsvoll in mein Leben getreten bist, mich mit Helligkeit und Sinn erfüllt hast, meine Ängste und Befürchtungen hinweg gewischt hast. Du hast alles in mir verändert!“

„Ja, äh, Sie haben seit sieben Jahren ein Konto bei der Buttenberg Bank AG. Haben Sie schon einmal daran gedacht, auch ein Sparbuch zu eröffnen?“

„Und ob! Ich denke praktisch an nichts anderes mehr! All das, was du in mir eröffnet hast, lässt sich doch gar nicht in nur ein einziges Buch niederschreiben, es bräuchte eine ganze Bibliothek! Und wie du dich mir gegeben hast, nicht zögernd, nicht sparsam, nein, vielmehr aus dem Vollen deiner uferlosen Liebe und deiner ewig währenden Schönheit schöpfend!“

„Sind Sie mit dem Kundenservice Ihrer persönlicher Berater in der Zweigstelle Ihrer Wahl der Buttenberg Bank AG wenig zufrieden, zufrieden oder sehr zufrieden?“

„Ach die Zufriedenheit ist als Tochter des Glückes ein höchst flüchtiges Gut, heute ist man das wohlgenährte Kind ihrer, ihr tief geneigter Verehrer und Empfänger unsäglicher Gunst, doch morgen schon weht ein rauer Wind und bringt Regen und Kälte und Einsamkeit mit sich.“

„Äh, entschuldigen Sie, meinten Sie jetzt wenig zufrieden?“

„Aber, Karin, jetzt, wo du meine Nummer gewählt hast, jetzt, wo du mich aus meiner Orientierungslosigkeit reißen willst, darfst du dich von meiner Grübelei nicht irritieren lassen. Ja, ich weiß noch sehr gut, dass du immer meintest, ich dächte und spräche zu viel, du meintest gar, ich würde alles zerreden. Also schwamm über all grauen Gedanken und vielen Worte, lass uns diesen Augenblick mit froher Miene begehen. Und ja, ich war immer sehr zufrieden, höchst zufrieden in all der Zweisamkeit.“

„Also sehr zufrieden?“

„Sehr, sehr, sehr zufrieden.“

„Danke schön. Vor etwa einem Monat müssten Sie eine Informationsmappe erhalten haben, in der die angebotenen Kreditmöglichkeiten der Buttenberg Bank AG aufgelistet sind. Konnten Sie sich ein anschauliches Bild von den verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten machen?“

„Ja, ich habe all die Bilder, die ich von dir und unserer gemeinsamen Zeit gemacht habe, in mir erhalten, einerseits in meinem Herzen und meiner Erinnerung, andererseits natürlich auch in den von mir sorgsam gepflegten Fotoalben. Ja, vielmehr noch, in minutiöser Arbeit habe ich die wertvollsten Bilder der schönsten Augenblicke unserer grenzenlosen Liebe ausgewählt und in einer Druckerei in Plakatgröße reproduzieren lassen. Denk, nur Karin, ich sehe dich täglich in hochwertigen Glaspassepartouts gerahmt. Hier im Badezimmer, in welchem ich mich eben befinde, sind drei wunderbare Bilder dieser Fotoserie, die ich von dir, du weißt es bestimmt noch, bei Sonnenuntergang auf dem Sandstrand an der Riviera geschossen habe. So freizügig, kokett und so lebendig.“

„Herr Pribil, haben Sie schon vom neuesten Angebot der Buttenberg Bank AG gehört? Da geht es um Investitionen in langverzinsliche Wertpapiere?“

„Nun, die Zinsen, die Zinsen. Zahlen nicht die wahrhaft Liebenden immer die Zinsen für die uneinlöslichen Wechsel zwischenmenschlicher Hingabe? Gehen nicht immer die hochsensiblen Schwärmer und Träumer mit ihren Wertpapieren auf dem Börsenplatz der Treue in Konkurs. Ach, Karin, es tut mir so leid, schon wieder verfalle ich in Grübelei und schweren Mut. Bedenke zu meiner Entschuldigung immerhin, wie tief es mich im Kern meiner Existenz getroffen hat, als du dich von mir abgewendet hast, als du beschlossen hast, in kurzzeitig emotionale Gewinne zu investieren, anstatt in die Beständigkeit unseres gemeinsamen Herzensfonds.“

„Haben Sie Interesse, dass sich in den nächsten Tagen einer unserer Außendienstmitarbeiter mit Ihnen in Verbindung setzt, um die aktuellen Investitionsmöglichkeiten in Wertpapiere zu besprechen, Herr Pribil?“

„Was soll’s, ich bin in Wahrheit am Ende meiner Kräfte, ich kann nicht mehr länger warten. Du musst sofort kommen! Sofort!“

„Sehr gerne wird sich unserer Außendienstmitarbeiter so schnell wie möglich wegen eines Gesprächstermins bei Ihnen melden. Eine abschließende Frage, Herr Pribil, und zwar: Stimmen Sie zu, dass Ihre Adressdaten anderen seriösen Partnerfirmen für Informationszwecke und für das Offerieren von maßgeschneiderten Angeboten zur Verfügung gestellt werden?“

„Nein, es kann keine andere Partnerin für mich geben, es wird nie eine andere geben, Karin! Du warst das Zentrum meiner Welt, du bist das Zentrum meiner Welt und wirst das Zentrum meiner Welt auch bleiben! Aber ich verstehe dich schon, du hast gar nicht deine Meinung geändert, du willst gar nicht zu mir zurückkehren. Danke, dass du so freundlich bist, mich noch einmal anzurufen, nach über drei Jahren! Danke! Es geht mir gut, ich bin jetzt darüber hinweg, ich habe es gut verkraftet, wieder allein zu sein. Meine Qual und mein Leid sind höchstens flüchtig, ich richte mich immerzu an all den schönen Erinnerungen wieder auf.“

„Herr Pribil, wir bieten unseren Kunden an, bei einem Preisausschreiben teilzunehmen. Wir verlosen ein Wochenende für zwei in einem Wellness Hotel, inklusive Saunabesuch und Thermalbadbenützung. Wollen sie an diesem Preisausschreiben teilnehmen?“

„Aber natürlich, mein Schatz, ich nehme doch schon daran teil, schließlich sitze ich hier in der Badewanne, das Wasser ist wohlig warm, ich telefoniere mit dir, ich bin jetzt über alles hinweg, mir ist auch noch gar nicht kalt, aber ich bemerke, wie ich müde werde, wie alles sich verwirrt, wie die Strohhalme, nach denen ich greife, in einem unerklärlichen Nebel verschwinden. Doch ja, ein Urlaub in einem Wellness Hotel wäre wieder wunderbar, so wie damals, du erinnerst dich bestimmt mit ebensolcher Glut wie ich an diesen intimen Augenblick, als wir abends alleine im Thermalbad gewesen waren. Karin, es ist wieder so wie damals, das warme Wasser, die Wanne, alles rot vor Liebe, rot das Wasser, rot die Kacheln, der zerbrochene Spiegel, die Rasierklingen, ach Karin, es war so ... so wunderbar …“

„Vielen Dank für das Gespräch, Herr Pribil. Ich möchte mich im Namen der Buttenberg Bank AG vielmals dafür bedanken, dass Sie sich ein paar Minuten Zeit genommen haben. Wir wünschen Ihnen ein angenehmes Wochenende.“




Dies ist eine nicht-kommerzielle Publikation satirischen Charakters
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