Das Kind sagt etwas zu seinem Spiegel, sobald es die Brille hinuntergenommen hat, damit es sich nicht klar erkennen muss:
Der Traum heute war wieder etwas seitlich zu mir. Wenn mich etwas juckte, rollte ich mich auf die andere Seite, auch wenn die Nägel wieder schärfer, härter, eher durch den Druck darunter den Reiz zu stillen, jedenfalls zu beruhigen.
Wenn das ein Träumen war, weshalb erwache ich mit Streifen in meiner Seite?
Ich habe heute am Bauch Striemen. Verstehe ich nicht. verschieden stark, mehr oder minder parallel. und einer wie ein kleiner Einstich unter der Brust. War ich das im unruhigen Schlaf eines Halbtoten? Es passt zu meinen Träumen die letzten Tage, dass ich ein Jucken verspüre.
Aber die Zeit ist nicht günstig.
Wofür. So sagt es sich. Das sagt viel.
Das Kind muss essen, das hat sich sonst schon übergeben. Den Lüften. Sehen Sie, wie es in einem fort sagt:
Ich flieg schon nicht davon.
Auf das Dach begeben, mich hochzuheben, habe ich im Anblick.
Ich flieg schon nicht davon.
Barrieren aufgebrochen, die Fenster aufgemacht, die Tür aus der Hand gerissen.
Wie weit habe ich mich gemacht.
Wer ist mir haushoch aufgestanden, ausgedacht.
Ich flieg schon nicht davon.
Ich flieg schon nicht davon. Auf das Dach muss ich schauen. Die Türen entfernen, oder nur das Schloss. Nein, mich aussperren vom Haus, im Winde mich bewohnbar machen.
Ich flieg schon nicht davon.
Ich flieg schon nicht hiervon.
Und so geht's dahin mit dem Kind. Es wird ewig der Schwerkraft überantwortet bleiben. Kein Windhauch trägt es fort.
Dieses Jahr ist es zum letzten Mal verliebt gewesen. Das ist einige Monate her, es kann sich sogar mit anderem darüber unterhalten, es sogar dem Objekt seiner tatsächlich hohen und mindestens es versengenden Zuneigung mitteilen, als wenn nie etwas zwischen den beiden stattgefunden hätte. Es ist alles so lang her.
Es geht auch wirklich oft in den Nächten dieses Sommers auf ein Dach. Es steigt nie weiter. Den Besen hat es neben der Tür lehnen lassen. Es muss erst lernen, sich selbst zu essen statt anderes. Es hat beinah schon wieder Lust auf Sexualität, das kommt ihm nach den Wochen dieses seltsamen Sommers nicht einmal verwerflich, nur vollkommen unnötig und lästig und zeitraubend vor.
Ich muss mich irgendwie zusammenreißen, um heute noch etwas zu schaffen, sagt es sehr alltagssprachlich. Ich bin den ganzen Tag schon eigenartig(er als sonst) aber jetzt daheim scheine ich mich aufzulösen. Es denkt zu viel über sich nach. Die Gedanken scheinen von ihm abzutropfen, sie nehmen die Substanz nicht sichtbar von ihm fort.
Ich will mich irgendwo verstecken und nichts tun müssen, sagt es. Diesmal hört die Worte der Kater aus dem Nachbarsfenster, dachte es gerade, denkt es aber lieber jetzt, aber der Kater sitzt natürlich hinter dem Kippfenster der Nachbarn, es ist in einem engen Schlitz geöffnet. Der Kater äugte ihn an aus überwältigend gelblichen Monden. Es vergisst darüber kurz seine Qualgedanken.
Gibt es einen Tag, wo du das kannst?
Was kann ich?
Zu vergessen …
Es fährt herum, es spricht mit sich selbst. Nein, mit einem anderen. Nein, was ist es, das da im Dunkel sitzt? Die Nacht wurde kühler, schien ihm.
Ob ich jemals wieder mehr hermache als einen Besen, denkt es.
Du willst ja doch davonfliegen, wie? Wer will denn, dass du das fette Junkfood ganz alleine isst?
Sind wir nicht per Sie?
Ich kann mich nicht erinnern.
Ich am wenigsten an Sie.
Aber was Sie sind, das wissen Sie?
Das wäre noch schöner!
Morgen erlaube ich mir mehr als Tomaten und Wasser und Tee.
Vielleicht brauchen Sie alles andere im Moment. Sie gehen durch schwere Zeiten!
Woher wollen Sie das wissen?
Sie würden sonst nicht mit mir reden.
Ich bestrafe mich doch jetzt, ob ich mit Ihnen rede oder mit mir selbst. Aber wer ist das? … Alles, was ich Sinnvolles tun sollte, kann ich nicht. Und ich esse Zeug, das mir nicht mal schmeckt.
Nagen Sie nicht so sehr an sich. Das tun schon die Dinge.
Ach lassen Sie mich …
Ach, Sie Grüngemüse, Sie werden niemals so schön weiß wie eine Geisha werden und sich so formvollendet schminken. Die roten Stifte alleine bedürfen einer ruhigen Hand, alles andere ist schon übertrieben. Schön ist die Schlichtheit, und zeitlos elegant. Das gilt für jede Ausdrucksform natürlich.
Das sind meine Worte!
Jetzt sind es Ihre Worte.
Drei Cocktailtomaten und ein bisschen Karottensaft. Nein, das ist doch gut und kalorienarm und gesund und die Farbe ist lebendig.
Ah, machen Sie sich nichts vor, Ihr Tee wird kalt. Verschlucken Sie sich nicht an Ihren Ausreden!
Es muss an seinen neuen Herrgottswinkel denken … An sein Märchen …
Tz, Ausreden!
Hallo, ich habe noch nicht einmal zu Ende gedacht!
Werden Sie auch nie.
Jetzt dagegen zerstöre ich den Rest von körperlicher Zufriedenheit.
Das ist eine typische Ausrede. Hören Sie auf, ans Beichtgeheimnis zu glauben. Oder dass ihr Priester nichts versteht. Frauen werden ohnehin keine zugelassen.
Bitte, quälen Sie mich nicht so wie ein Christ das von Haus aus tut. Ich habe doch längst aufgehört zu masturbieren, die Chipspackung hab ich aufgegessen, und mir ist schlecht aber nicht ganz, und es hat so grauslich geschmeckt. Das muss Ihnen doch genügen. Jetzt mag ich lange nicht. Ich kann nicht mehr viel Blödsinn machen. Sind Sie nicht müde?
Keine Antwort, aber der Kater sitzt schon wieder hinter dem Fenster, und es sieht aus, als schielt er. …
Hier ist alles Einbildung. So wie Pfunde.
Ach, wenn Sie glauben, dass Sie an einem Kilogramm hängen und haften bleiben, an dem Sie redlich einen Monat vielleicht gearbeitet haben, dann fürchten Sie sich ruhig schon heute!
Ist ein Kilogramm eigentlich weiblich oder männlich?
Frauen werden schon von Frauen gespielt ... heutzutage zumindest.
Schön, gibt es zurück. Auch in Abweisung liegt Erotik, nicht?
Da zuallermeist, Sie wissen doch einiges, sehen Sie! … Erotik ist kein Amulett, keine hysterische Esoterik für Hausfrauen und gertenschlanke Mannsbilder!
Ach genug … Ich habe nur allerdings ein Konzentrationsproblem, mich vom mich beherrschenden Trauma wegzubewegen.
Ist Ihr Trauma schon beschrieben?
Es ist ein Trauma, das vielen anhaftet.
Jeder hat sein eigenes.
Oder deren mehrere?
… Keine Antwort. Ich schweige, aber meine Gedanken werden laut als wie ein Symptom … Weshalb geschieht hier ein Perspektivenwechsel der Person? … Nun, jedenfalls: Es laden sich alle möglichen Symbole damit auf. Denkt es. Sagt sich. Es … sagt.
Sind die Nächte schlimmer?
Ich weiß nicht, sagt es. Es sagt tatsächlich ich. … Ich weiß nicht, es ist immer schlimm, wo Leben ist.
Und wo niemand ist?
Ist es am schlimmsten! Sage ich - pardon: es. Sie lenken mich ab! Ich muss mich irgendwie zusammenreißen, um heute noch etwas zu schaffen. Also trete ich vielleicht heute in die Pedale, und bald komme ich davon. Ach, ein Traum, kein Führerschein, keine Zigaretten im Mund, gar nichts.
Ich würde so gern endlich wieder Rad fahren, denke ich. Ich rede überhaupt viel zu viel. Nein, pardon, ich rede überhaupt viel zu mir. Das druckt auch niemand, das drückt sich aus. Ich könnte tot sein, ich könnte mich zusammenraffen, -kratzen, zu Tode warten, bis ich endlich auf dem Klo etwas hinauslassen muss. … Denkt es.
Na los, verführ mich. Fall über mich her. Nimm mich. Hab mich gern. Auf der Stelle.
Die Stimme wird immer grausamer, sagt es, und es ist seine.
Ich bestelle abgesägte Schwiegerenten zum Frühstück. Wenn's das gibt wie apportierende Katzen.
Dieses Schweigen macht mir Angst, sage ich. Ich möchte, ich würde gern. Es ist nur. Ich bin doch hin. Mich müssen wir sofort reparieren. Nun bitte. …
Ein Schweigen ist wie eine Antwort, ist als eine Antwort!
…
Entschuldigen Sie mich bitte. Bin gleich wieder da. Ehe die Türklingel schellt, hat wer geläutet?
Dornen im Gebälk, ich meine, in den eigenen Leisten, und sonstwo, überall im Körper juckt oder wächst es grad neue Leberflecke aus. Der Krebs nimmt zu. Es fängt mit dem eingebildeten an, der wird den echten nach sich ziehen.
s spricht nun unverwandt, oder unterbrechen sie sich gegenseitig - es ist kaum auszumachen. Es ist einfach nicht von sich zu unterscheiden …
Die köstliche Leiche trinkt den neuen Wein. Es muss so sein, dass wir diese Nächte und Möglichkeiten gehen lassen - nicht, was Sie denken, bleiben Sie köstlich. Halten wir uns fest und bleiben Sie nicht da. Zwei sind alle zuviel. Und den Wahnsinn kriegen wir auch so.
Ich fahre weg. Ich wollte Adieu sagen.
Ach nein, lassen Sie mich jetzt auch allein.
Bin ich doch nur Einbildung. Die mag ich, die Phantasien.
Gehen Sie doch, ich kann selbst alleine Hand an mich legen. Da kommen all die gefressenen Chips und grausig zusammengeschütteten Saucen wieder hinaus, noch vor meinem Blut, doch inclusive meiner Magensäure. Sagen Sie nicht Wilhelm zu mir. Ich trage selbst eine Sonnenbrille. Die habe ich jemand gestohlen, ich weiß nicht, wem, sie lag da auf der Party, ich meine daheim, da nein, da liegt mein Fächer, und er ist eigens und dazu sehr praktisch bei hitziger Luft, formschön, und er hat ein Geheimfach, einen kleinen Hohlraum, in dem herrscht das Tränengas. Verfügen Sie über mich! Ich will einen grässlichen Mann weinen sehen.
…
Seit neuestem möchte es wieder Rad fahren
