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Den Bach hinunter
Etüden in kathartischer Klagekunst

Ohne Titel
Vor Wut zerplatzen möchte ich, flüstere ich – und nun kann ich mich ja dazu bekennen, nachdem meine Therapeutin mir dazu geraten hat ...
Christoph Vivenz, 21.02.2012

Wo wir stehen geblieben waren
Zerstreutheit ist kein Ausdruck für diese Zerrieben- und Zerstobenheit in alle Winde.
Mathis Zojer, 07.02.2012

Neujahrs(vor)aussetzer
Provisorien, offene Rechnungen, Aufgeschobenes türmt sich am Ende der langen Bank.
Mathis Zojer, 03.01.2012

Wem darfst du was sagen?
Ich plündere mich, ich bin schwer von Gewicht. Stundenlang halte ich den Stuhl zurück, um das zu erreichen, halte ich den festeren von den beiden zentimeterweit von mir entfernt hinter mir.
Christoph Vivenz, 20.12.2011

Grämerseele
Da er keine tragische Vergangheit hatte, die über das allgemein tierische Debakel der Geburt hinausging, bürdete er sich auf, eine tragische Zukunft mit sich herumzutragen ...
Mathis Zojer, 06.12.2011

Eigenurintherapie
Damit es ordentlich ein Rinnsal runterfließe, sei erst einmal die Anregung zum morgigen Tage gesprochen ...
Christoph Vivenz, 30.11.2011

Die Zeit weilt alle Stunden
Ansatzweise zu sein, wäre ein erster Schritt.
Mathis Zojer, 15.11.2011

Ohne Titel
Auf in die Besserungsanstalt, ich komme eben aus einem Verbesserungsseminar, das mir über meine urigen Abgründe Aufschluss ergab und sehr umtriebig in mir wirkte ...
Christoph Vivenz, 01.11.2011

Irgendwie extrem
Das Trockene, auf dem wir sitzen, gerät aus dem Ruder.
Mathis Zojer, 18.10.2011

Ohne Titel
In das Dunkel stellt man eine Vase aus Plastik. Sie fällt um, draus quillt die Leere, eine Brühe, die ihre Farben tauscht.
Christoph Vivenz, 04.10.2011

Endstation Mieselsucht
Ein österreichisches Schicksal: Was das Granteln betrifft, sind wir alle Hausmeister.
Mathis Zojer, 20.09.2011

Ganz andere Sorgen
Nehmen Sie die Narbe weg aus meinem Gesicht! forderte wer.
Christoph Vivenz, 06.09.2011

Hoppe hoppe Reiter
Gegen das Leib-Seele-Problem: eine Suspension zum Einnehmen.
Mathis Zojer, 30.08.2011

Ohne Titel
Es ist ein Tauchen, unvermahlen und befallen. Die Tage fliehen. Das Wesen geht im Geiste. Ich habe irgendwas getan. Ich habe irgendwas gewonnen.
Christoph Vivenz, 16.08.2011

Posthumanistische Reizwäsche
Pass bloß auf, diese Quantité négligeable zieh ich auch noch von dir ab ...
Mathis Zojer, 02.08.2011

Der Schakal ist in Europa eine zu erforschende Tätigkeit.
Sonntag. Am Nachmittag mitten erwache ich in Sommer nach Träumen, dass ich erwachte mit trockener Kehle.
Christoph Vivenz, 19.07.2011

Die IG Todestrieb, ein Nachruf
100 gute Gründe, sich auf der Stelle umzubringen, zählte Roland Topor auf, und es gibt gewiss weitaus mehr als 100 gute Gründe ...
Mathis Zojer, 05.07.2011

Eine unruhige Naht!
Eine unruhige Nacht?
Nein, eine unruhig Naht!
Christoph Vivenz, 21.06.2011

Ein PC-Problem
Nein, nein, mit der sogenannten "Political Correctness" habe ich überhaupt kein Problem (im Gegensatz zu einem Trafikanten in meinem Grätzel, der ein solches hat ...)
Mathis Zojer, 07.06.2011

Sehr geehrte Wiener Linien!
Beachten Sie bitte, dass häufige mechanisch eingetrichterte Verlautbarungen auf U-Bahnsteigen und in den diese passiert habenden Zügen den Eindruck von Parolen an Fließbandwerktätige verschafft ...
Christoph Vivenz, 31.05.2011

Heavy Petting
Die quasselstrippenstarrende Portugiesische Galeere in meinem Zahnputzbecher feuert mir einen nesselgiftigen Warnschuss vor den Gaumen: All meine Hoffnungen fallen Schluck um Schluck deinen schlechten Erfahrungen zum Opfer, o du mein Pawlowscher Mensch.
Mathis Zojer, 19.04.2011

Der Frühling des Lobbyisten
Haben wir uns zu weit aus dem Fenster gelehnt, mit unseren geblähten Nüstern, um all die lockenden Frühlingsgerüche einzusaugen? Alles, was Flügel hat, fliegt, und alles, was der Fall ist, ist die Welt. Diese Klarheit berauscht uns.
Mathis Zojer, 29.03.2011

Was kann ich tun?
Was kann ich tun? Was kann ich hoffen? Was darf ich glauben? Was ist kein Mensch?
Christoph Vivenz, 15.03.2011

SAD
Wir glaubten ja nicht an den von Wunderkerzen versprühten Glitzer, nicht an das Funkeln des Feuerwerks, wir rochen mit gerümpften Nasen die Fäulnis unter dem Glanz der entzündeten Lichter. Doch nun sind sie alle abgebrannt.
Mathis Zojer, 04.01.2011

GENICK AB – autobiographischer Abriss
Wer sind wir denn geworden als Katzen unterm Mond, die täuschen sich in Sternen und niemals sich im Spiegel sehen. Was gibt es uns denn Beschwerden als die Gräue nächtlicher Wolken. Besonders schlagend tief im Schlaf der Vorschub der Träume.
Christoph Vivenz, 07.12.2010

Sonntagabend
Sonntagabend.
Die Straßenbahn ist kein Fiaker, den man auf dem Fahrrad rechts überholt. Drüben öffnet ein Mensch sich aus dem Fenster und guckt versehens auf die Straße.
Christoph Vivenz, 04.05.2010

Was tust du
Was tust du? -
Ich übe eine Stereotypie ein.
Das ganze Leben ist eine
Stereotypie.
Christoph Vivenz, 03.03.2010

Subjektives Sicherheitsgefühl
Mein Maulwurf wird klaustrophob auf seine alten Tage. Er will nicht einmal mehr mit der U-Bahn fahren. Meine Endstationen sind dem Verfall geweiht. Ich verfolge voller Empathie die Handytelefonate fremder Leute - Ok, dann bis gleich! Tschüssi! Baba! - und bitte darum, schöne Grüße von mir auszurichten.
Mathis Zojer, 02.02.2010

Ohne Titel
Es sind lebensmüde Tage, die sich vor mich hinstellen und fragen:
„Du kannst dir zwar deine Freunde aussuchen, nicht aber deine Familie."
Christoph Vivenz, 29.12.2009

Handle with care
Im vorweihnachtlichen Stresstest offenbaren sich nun endlich die schadhaften Züge an all den gestörten Triebfahrzeugen, die wir sind. Auf den psychotischen Verschiebebahnhöfen des öffentlichen Personennahverkehrs beschleicht uns das Gefühl, es könne jederzeit ein wildes Gemetzel losbrechen. Dafür fehlt gar nicht viel, dafür fehlt nur noch ein Tick.
Mathis Zojer, 15.12.2009

Sommer
Sommer, Festtage des Gestanks. Sehr geehrte Fahrgäste, bitte beachten Sie, dass dieser Tage alle Wege ins vereinigte Reich der Körperausdünstungen führen.
Mathis Zojer, 18.08.2009

Entgleisungen
Um wenigstens den durch Schienensuizide bedingten Verspätungen vorzubeugen, haben die Bundesbahnen jetzt einen Sonderzug eingerichtet.
Mathis Zojer, 02.06.2009

Urlaub, welk
Nennen Sie es feindselige Vertraulichkeit, Preemptive Strike oder eine Obszönität unter konzeptkünstlerischem Feigenblatt: Eine Diashow mit Urlaubsfotos wildfremder Leute, noch dazu im Radio vorgeführt, das wäre doch eine jeder Madeiraechse würdige Schlingeltat, um durch en gros plakatierte Erinnerungen rein privater Relevanz das Publikum zu befremden.
Mathis Zojer, 07.04.2009

Schneeglöckchenzählung
Immerhin geht es. Fast immer geht es hin, manchmal auch her. Es geht die Legende von der großen Schneeglöckchenzählung. In der Stockerauer Au, wenn der Frühling da ist, treibt sich immer diese Gestalt herum.
Mathis Zojer, 17.03.2009

Zermüdung
Der
Abbruch steckt in Den Kinderschuhen.
Christoph Vivenz, 03.03.2009

Hirnparasitenpolka
Ich ess so gerne Sauerkraut und tanz so gerne Polka ... Entschuldigung, mein Hirnparasit ist etwas verschnupft. Keine große Tragödie, werden Sie sagen. Aber genau das ist es, was mich wurmt. Sein dramatischer Auswurf gerät mir bestenfalls zur Schmierenkömödie.
Mathis Zojer, 17.02.2009

Nervenzusammenbrüche
Es ist schon komisch, dass sie so lange halten: diese neuronalen Elendsquartiere, diese Synapsenslums, diese Dendritenfavelas, windschiefe Nervenbaracken allesamt, zerebrale Abbruchhäuser aus gezinkten EEG-Befunden.
Mathis Zojer, 30.12.2008


 
 

Den Bach hinunter
Diese Trübsal blasiert zu nennen, wäre allzu schwarzgemalt.
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