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Den Bach hinunter
mit Mathis Zojer

Wo wir stehen geblieben waren

Zerstreutheit ist kein Ausdruck für diese Zerrieben- und Zerstobenheit in alle Winde. Das zerknüllte Zeitungspapier, das mir um die Ohren weht, raschelt hohl und enthüllt nichts, so sorgfältig ich es auch glatt streiche. Überallhin nehmen wir unsere Abwesenheit mit. Vielleicht um leichter an uns zu tragen? Begriffe wie Wutbürger sind blind. Rund um die Uhr schlägt es dreizehn. Also fünf vor zwölf für falsche Fährten in den Wirren höchster Zeit. "Die Ungeheuerlichkeit dessen", höre ich jemanden vor sich hin murmeln, und ich denke mir, recht hat er, nur wessen Ungeheuerlichkeit ist das, wem gehört sie, und warum gelingt es uns nicht einmal, sie zu benennen? Also: Was für eine Ungeheuerlichkeit ist das? Welche Ungeheuerlichkeit?

Eine Methode des radikalen Hierseins bestünde darin, Sinneszellen aus dem Ärmel zu schütteln, Sinneszellen aufzuwirbeln, telekinetische, alles verwanzende Sinneszellen, die sich im Raum verteilen, gleich miniaturisierten Radiosonden, als photosensibler Staub, der auf die Gegenstände niedersinkt, eine Armee aus organischen Überwachungsdrohnen, unermüdliche kleine Informationslieferanten im körpereigenen WLAN, und das wäre, als fütterten die Vögel die ausgestreuten Körner, die sie fressen, phänomenal.

Im Übrigen plädiere ich für die Gründung einer Sonderkommission zur totalen Überwachung unserer selbst, wegen gefährlicher Antriebslosigkeit, krimineller Desorganisation und illegaler Prokrastination, wegen Konspiration gegen die Inspiration, ausbleibender Tatbegehung und an völlige Umnachtung grenzender Verdunkelung des Geistes, wegen erbitterter Feindschaft gegen die eigene mentale Verfassung, ich plädiere für unsere kompromisslose Beschattung, eine Observierung ohne zugedrücktes Auge, ohne Zwinkern, ich plädiere für den großen Lauschangriff auf uns alle. Wir hätten so vieles zu sagen.




Dies ist eine nicht-kommerzielle Publikation satirischen Charakters
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