Damit es ordentlich ein Rinnsal runterfließe, sei erst einmal die Anregung zum morgigen Tage gesprochen:
Auch wenn es meiste schaudernd ekeln will, mir selbst gibt das wippende rechte Bein so gar keine Ruhe – sehen Sie nicht her, liebe Hörerinnen, -ers – eine uralte Heilmethode ist heute wieder sehr aktuell. Kein Blutspenden, kein Aderlass, keine geknackte Hirnschale zwecks Liquorzapfung - eine Behandlung mit dem eigenen Urin ist verlangt? Was ist dran in solch besonderem Saft?
Hippokrates ist nicht der erste, der uns die Gabe des Morgenurins unserer selbstgeleisteten Ausscheidung nahe legt, da taten bereits die alten Ägypter, die auch schon die Harnschau praktiziert hatten, mittels welcher Schussfolgerungen auf den Allgemeinzustand des Menschen gezogen wurden. Nahezu ebenso lange reichen Anweisungen dieser Art in der ayurvedischen Medizin zurück und finden ihre Beherzigung in der indischen Medizin bis zum heutigen Tag. Allein der Westen ziert sich in modernerer Zeit – als wenn nicht beispielsweise Schloss Versailles zu Ludwigs Zeiten gestunken haben muss ärger als jede Pissbude, bei so vielen Hofadeligen, die die Gänge als nahe liegende Gelegenheiten zur Erleichterung ganz gewohntermaßen nutzten. Denken Sie sich, bei der Größe!
Die Eigenurintherapie zeichnet sich zuallererst durch Hygiene beim Vorgehen aus: das Ausscheidungsorgan muss gut gewaschen in Schwung gehalten werden – auch ist der Harn bis zu seinem Austreten geruchsneutral. Wenn der morgendliche Mittelstrahl – und ausschließlich dieser – unvermengt und ungezuckert sogleich über ein sauberes Behältnis aufgefangen und konsumiert wird, ist daran das Gegenteil einer absurden, ekelhaften oder verwerflichen Handlung zu erachten.
Die Eigenurintherapie gilt innerlich angewandt zur Behandlung unterschiedlicher Reizung und der Regulierung des Immunsystems. Im Harn befinden sich nicht wenige Mineralien und keimtötende Substanzen, die in der äußeren Anwendung gegen Wunden, Hauterkrankungen, Pilzerkrankungen und Neurodermitis äußerst wirksam werden.
Wer den körpereigenen Ekel nicht zu überwinden vermag, hat noch die Möglichkeiten der Injektion des Eigenfabrikats in den Gesäßmuskel oder subkutan unter die Haut. Vollkommen vorauszusetzen ist in jedem Fall die verbleibende Sterilität des Urins, welches mittels seiner Erhitzung im Wasserbad und dem Zusetzen einer desinfizierenden Substanz gewährleistet wird. Dies gilt auch bei der homöopathischen Gabe im Rahmen der Alternativmedizin, selbst wenn diese Methode, wie alle Betroffenen wissen dürften, mehr Aufwand bereitet – um so geschmacks- und geruchsneutraler ist sie. Nebenher können Salben und Tinkturen hergestellt werden.
Anwendungsgebiete der Eigenurintherapie finden sich anhand von akuten und chronischen Allergien, Wunden und bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Ekzemen, Neurodermitis und Dermatitis. Akute und chronische Erkrankungen die der Immunmodulation bedürfen, wenden ebenfalls mit der Eigenurintherapie behandelt.
Kontraindikationen erscheinen Herz-, Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes, Tuberkulose, fortgeschrittene Krebserkrankungen, Syndrome der Schilddrüse, akute Erkrankungen mit hohem Fieber.
Selbstverständlich ist eine Eigenurintherapie vorher durch Rücksprache mit Arzt oder Heilpraktiker anzuraten – das gewohnte Auftreten des Morgenurins muss nicht als notwendige Motivation zur Einnahme hinreichen.
Wer unter Ihnen dennoch weiter höchste Bedenken und Hindernisse gegen diese vielfach angewendete Therapieform äußert, mag, ehe er seine Abwehrsymptome psychotherapeutisch gleich einer Arachnophobie zu lösen versucht, eine Änderung seiner Ernährungsgewohnheiten erwägen. In diesem Falle trifft erwartungsgemäß zu: Probieren Sie einfach aus, wie der Harn sich mit einer Ernährungsumstellung z.B. mit mehr Früchten verändert.
Mit Dank für Ihre Aufmerksamkeit – mein sich sukzessive eingestellt habender Harndrang lässt sich heute nicht mehr therapeutisch umsetzen, wie erwähnt – zur Vermeidung von Längen spielen wir nun ein treffendes Lied.
