Auf in die Besserungsanstalt, ich komme eben aus einem Verbesserungsseminar, das mir über meine urigen Abgründe Aufschluss ergab und sehr umtriebig in mir wirkte: sich auf Samhain berufendes „festliches Ritual“ „mit Ahnenorakel und Tod- und Wiedergeburtsritual“, für 28€ sehr wohlfeil, wenn ich denke, dass ich jetzt noch emotional meine in mir weiter wuchernden Vorfahren durchfüttern muss – zwar tat ich das, wenn’s wahr ist, schon die ganze meiner Lebenszeit inkl. mit Abstrichen in früheren Inkarnationen … Aber was ein Klacks gegen die Kosten für die Psychotherapie, die ich mir deswegen nehmen muss. … Na, ich hab schon längst mein Grab bestellt und fahre jeden Sonntag hinaus an den Stadtrand und pflege mein Stückchen eigenen Rasens, zwar nicht groß genug, um meinen Gartenstuhl darauf zu stellen, dafür mit Röschen bedeckt, dass ich mir jeden Geburtstag selber eines schenke, so rot wie Blut, so grün wie Schimmel, so dornig wie der mäandernde Pfad meiner unbehobelbaren Existenz. Es ist eine Plage und ich trage sie gern, spüre ich mich doch selbst dabei – auch mein Namenszug steht schon auf dem Marmorstein, die Geburtszahl – die würden Sie jetzt gerne alle wissen, was? – steht schon eingekerbt – und gleichsam der Gedankenstrich zu meinem Sterbedatum … Ich könnte es mir ja aussuchen, könnte überlegen, falls mir nicht etwas dazwischenkommt, ein Unfall, eine jäh doch spät entdeckte Unheilbarkeit. Derweil kranke ich jeden Tag mehr am Dasein, mein So-Sein fragt sich, was es an mir hat und das Arbeitsmarktservice wird mich nicht mal namentlich in seinen Listen führen. Jeden Sonntag gehe ich ein bisschen wandern also, mit der Gießkanne könnten Sie mich finden da draußen auf dem kleinen Friedhof, beschaulich sinnend auf das Ende und Davor und wovor ich doch meine Ängste habe. Das sind mitunter meine schönsten Tage … bis zum Dämmern sitze ich da mich an einem Fläschchen haltend und gedenke eifernd sowohl „O tempore, o mores!“ wie „Memento mori“. Marandjosef, wie mich da die Schauer überkommen, kitzelnd meinen Rücken runter, so wie andere auf scharfes Essen stehen. Ach herrlich, und wenn ich endlich tot bin – ein Internetfragebogen rechnet mir ja gerade noch 7 Jahre zu -, kann ich denn als noch immer ewig junger Hupfer eingeweidenentschlackt aus meinem Grabe hüpfen, immerhin schad um meine Röschen, und mir mein Liebchen wieder holen, da steht mein Nachfolger in ihrem Bett ganz baff umsonst und dann hol ich sie zu mir in meine enge Gruft, jaja, das Genick hat sie sich ja unterwegs gebrochen, in dem Taumel, so schnell kann sie gar nichts mehr sagen und das war eh immer ein Unglück … Naja, ich hätte gern noch postmortalen Sex … darüber schweigen sich die Esoterikbibeln aus, sind ja auch ein bisschen konservativ und vergessen, dass sich da ohnehin einiges abspielt. Sodomitische Penetration durch Unmengen an Larven und Mikroorganismen – Mensch, so viele begehren mich zu Lebenszeiten noch nicht – horridoh! Nur manchmal möchte ich noch aufstehen, denke ich mir, und so alte Mutterln und Nachtwächter erschrecken. Sie hatten doch sicher auch so hie und da den von Sigmund Freud behandelten Exhibitionstraum, dass sie in aller Öffentlichkeit sich plötzlich leicht bis nicht geschürzt wieder vorfinden … nun, ausgezogener als eine aufgezehrte Leiche kann doch niemand seine Abwege beschreiten, da bin ich radikal bis auf die Knochen! Somit verstehen Sie sogleich meine Angst vor einer Einäscherung! Ich glaube, als Aschhäufchen fände ich keine Ruhe, keinen Frieden, man würde mich ja einer einzig zu verstehenden Konsequenz gemäß nicht mal dem Rosenbeet zur Düngung überlassen. Wie dumm sind die Menschen und ihre Sitten und Anstände! Ich sehe schon, die Freiheit von allem diesen beginnt erst nach dem Leben, ha! Da lächeln Sie sardonisch, meine HerrenDamen ExistentialistenInnen. Menschen, wir haben ja keine Ahnung!
