Ein österreichisches Schicksal: Was das Granteln betrifft, sind wir alle Hausmeister. Das ist weniger eine Mentalitätsfrage als vielmehr milieubedingt. Nature versus nurture, Schweißgeruch am Wiener Heumarkt, das Scheppern von leeren Bierdosen, wie schäbige Hüte und Hirne zerknautscht von gewaltigen Wurstfingern. Serwas, es Gfraster, bei mia seids olle im Oasch daham! Stellen wir klar: Es gibt mehr als genug Veranlassung zu murren. Gab es schon immer. Am Anfang verschafft einem in sein patschertes Leben geworfenen Menschenkind das Spotten, Schimpfen, Lästern, Raunzen noch Erleichterung. Unter viel Gelächter stößt man mit klingenden Verbalinjurien an zur Feier all der banalen Abscheulichkeiten, und widmet sich umgehend den erfreulichen Dingen. Doch die Zumutungen nehmen kein Ende, nach und nach kippt man sich immer mehr der berauschenden Wortwut hinter die Binde, bis irgendwann nicht mehr zu leugnen ist: Bereits nach ein paar harmonisch verlaufenen Stunden wird man irgendwie unrund. Die Vögel zwitschern, die Kinder quietschen vergnügt, überall lächelnde Gesichter, und man verspürt zunehmend das Verlangen, grundlos jemanden zusammenzuscheißen. Aber was heißt schon grundlos. Use every man after his desert, and who should 'scape whipping? An allem und jedem lässt sich etwas aussetzen. Allerorts wird schon die oberflächlichste Fehlersuche mit Erfolg bestraft. Und spätestens mit 40 ist man zum Spiegelstänkerer geworden. Da geht es einfach nicht mehr ohne die tägliche Dosis Gfrett, um auf den angewöhnten Pegel an Gereizheit zu kommen.
"Eine gewisse Übellaunigkeit", möchte mein Tasmanischer Teufel noch anmerken, "gehört allerdings zur affektiven Grundausstattung eines jeden intelligenten Lebens. In einen Kopf, der nicht leer ist, will vieles nicht gehen. Da ist so ein dysphorisch rausgehängtes ‚Bitte nicht stören'-Schildchen, so ein persistent in der Miene wuchernder Gesichtstumor bisweilen durchwegs angebracht. Nur zerebrale Sandstrände geben sich wehrlos der Reizüberflutung hin. Ein Hoch auf die schroffen Klippen! Wir sind noch lange nicht zwider genug."
