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Den Bach hinunter
mit Mathis Zojer

Hoppe hoppe Reiter

Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. / Fällt er ins Getriebe, versandet seine Liebe. / Fällt er in ein Koma, besucht ihn seine Oma.

Irgendetwas ist mit mir durchgegangen. Ob psychosomatisch oder somatopsychisch, weiß der Teufel in Weiß. Gegen das Leib-Seele-Problem: eine Suspension zum Einnehmen. Wofür, wozu, worum auch, wir scheren uns nicht. Übelkeitserregende Panikattacken, in Panik versetzende Übelkeitsanfälle, wer will es wissen, wer will es schon wissen, wer will es denn überhaupt schon so genau wissen, wer wovon nichts wissen will. Alle Zeit der Welt, da bleibt für andere nichts übrig. Beklemmende Herzenge, herzbeengende Klemme, in der ich stecke und verrecke, nur ein Gefühl, nur ein Gefühl, als ob es dich gleich umhauen würde, Kollaps, Kasperl, Tod, nur so ein Gefühl. 36 Grad Celsius. Ein Alibi für den Angstschweiß.

Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er./ Fällt er auf die Gleise, verzögert sich die Reise. / Fällt er auf Beton, kondoliert man seinem Klon.

Der Kreislauf, es ist nur der Kreislauf. Doch welcher? Irgendwo in den interdependenten Kreislaufsystemen des Blutes, der Gedanken, Worte und Werke ist der Hund drin, der nicht bellt. Ein überaus komplexes Geflecht aus Zusammenhängen, Wechselwirkungen, prekären Fließgleichgewichten, Interdisziplinlosigkeiten. Passt auf kein Scheißflipchart. "Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert", sagt ein innerer Kanzler. Ein innerer Gewerkschaftsboss packt das Ganze seelisch nicht. Und ich hab' einen Pickel am Arsch, der tut mir beim Sitzen weh. Sollte besser darniederliegen, als expressionistisches Aktmodell. Und an meiner Quantentheorie der Angst feilen. Bindemittel für vakanten Horror: im Baumarkt noch eine Lücke.

Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. / Fällt er auf den Mund, bleibt sein Darm gesund. / Fällt er den Behörden auf, studiert man seinen Lebenslauf.

Das Lutschbonbon des Unbewussten im Mund, der spricht: Die Psyche geht mit mir durch. Mit krankhaft gesteigerter Empfindsamkeit lese ich in der Zeitung und nehme alle Katastrophen, Krisen persönlich, gar solipsistisch wahr, als bloße Symptome einer eigenen psychischen Krise. Schizoider Größenwahn der Empathie. Mein Herzrasen ist betreten. Jeder ungereimte kleine Fünfzeiler im Chronikteil schockiert mich, als wäre ich selbst involviert. Bin ich das nicht? Messerstechereien in der Brust, Hinterhofflimmern. Dies aasige Hirn will sich noch einmal gewaschen haben. All die kreisenden Gedanken, Schmeißfliegen, die sich gerne schlagen ließen mit einer Buchklappe. Die totale Erlösung, Teil 2.

Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. / Fällt er auf ein Stoppelfeld, schaut er auf zum Himmelszelt. / Fällt er in ein Messer, wird seine Stirne blässer.

Die Ekstase des Suizidalen. Tief, tief unten geht's nur mehr bergauf. Und oben, wo die Steine bocken, holen sie dich gleich wieder runter. Drei Ausbrecher aus ihrer vergatterten Befindlichkeit zogen in die gelobte Wand, labten und vermehrten sich, bis es ihrer 60 waren. 60 stolze Steinböcke, ein jeder von ihnen ein freudiger Anblick für's kletternde, wandernde Menschenvolk. Weit gefehlt aus Sicht einer zielfern ins Rohr blickenden Jägerschaft, die sich selbstlos erbot, die markierten Pfade vom herumlungernden Steinbockpöbel zu säubern. Schluss mit den Belästigungen, der schamlosen Schnorrerei um Müsliriegel, Tschick und ein paar Euro, von der es schließlich nicht weit ist bis zum Handyraub. Vom Hochstand spähen sie tagaus, tagein nach einem Vorwand loszuballern. Und (nach Adorno) als verdrängende Sodomiten dem Tier auf den Leib zu rücken.

Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. / Fällt er in ein Beuteschema, wird für ihn Nichtidentität zum Thema. / Fällt er in Umnachtung, versäumt er seine Schlachtung.

Im Jagdgatter sodomitischer Schicksalsgöttinnen pfeifen dem verschreckten Menschenwild unaufhörlich Todesursachen um die Ohren. Probier's mit paradoxen Kommandos: Hab Angst! Bekomm Lust, aus den gewöhnlichen Bahnen der Verhaltenseinfältigkeiten auszubrechen, und merke: Was anderen wahnsinnig erscheint, ist oft nur der Versuch, sich Mut zu machen. "Warum sind Sie so nervös?", fragt der Militärpsychologe den Zivildiener in spe bei der Stellung. "Mein vegetatives Nervensystem hab' ich nun mal nicht unter Kontrolle", trotzt der neunmalkluge Jüngling, als greife ihm schon Gevatter Tod nach dem Herz. 20 Jahre später ist er mit Diazepam immer noch nicht gut auf-, aber eingestellt.

Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. / Fällt er durch's soziale Netz, macht er mit bei Rassenhetz'. / Fällt er, ohne aufzuprallen, lassen wir ihn weiterfallen.

Das also ist der Plot. Die Psyche geht mit ihm durch. Wird sie sein kleines Ich abwerfen, das sich in ihre wehende Mähne krallt, rittlings an sie klammert? Je fester er sich krallt und klammert, desto höhere, wildere Sprünge macht sie. Sie sträubt sich, schüttelt sich und löckt. Abzurutschen wäre eine Option. Mit einem Fuß im Steigbügel hängen zu bleiben und mitgeschliffen zu werden, wäre eine Option. Zu sagen: Er ist der Dämon, der sie reitet. Wäre eine Option. Und weiter: Wirf ihn ab, geschundene Mähre, und flieh im Galopp ins wilde, weite, abendrote Steppenland … Lauf, lauf! Er kommt dann vielleicht nach.




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