Neulich in der Verzicht-Bar belauschte ich unfreiwillig folgendes Gespräch, das sich in einem Separee entspann, zwischen zwei Stimmen von ambivalenter Geschlechtszugehörigkeit, wobei übermäßiger Tabak- und Spirituosenkonsum zum androgynen Gesamteindruck der beiden rauchigen Schlafzimmerstimmen beigetragen haben mochte.
"Gib mir Tiernamen, Menschenskind, gib sie mir", ließ sich die erste Stimme vernehmen. "Reiß mir die vollgeschissene, blutbesudelte Unterhose der Humanität vom Leib. Die Humanität ist ein abgetragenes Warenzeichen auf einschneidenden Tangas für kleine Calvinisten und auf ausgeleierten hobbesianischen Boxershorts …"
"Gut gebrüllt, mein kleiner Leviathan", erwiderte die zweite Stimme. "Schon vom ersten verlausten Feigenblatt an verbarg das Untier schamvoll seine Mitte unter der Marke Mensch, um mit seinen Extremitäten umso unverschämter herumzustrampeln und zu -fuchteln, ganz zu schweigen vom schamlosen Plappermund, vor den sich ein Blatt zu nehmen, ihm viel eher zur Zierde gereicht hätte. Pass auf, ich zieh ihn dir über die Ohren, deinen Feinripp-Liebestöter mit dem Anthropo-Logo drauf!"
"Nur zu", ermunterte die erste Stimme. "Dann machen wir uns mal frei für eine unmenschliche Schmuserei, für wahrlich inhumane Zärtlichkeiten. Menschlich heiße ich das organisierte Massaker, bestialisch die klassisch konditionierte Humanität. Gib meiner Güte Tiernamen, Menschenskind, gib sie ihr. Sollen sich die Schnäppchenjäger für dumm verkaufen lassen, mit ihren speziesistischen Kundenkarten im Portmonee. Von mir aus genauso dumm, wie du aus deiner posthumanistischen Reizwäsche schaust. Pass bloß auf, diese Quantité négligeable zieh ich auch noch von dir ab. Dann endlich gehen wir nackt baden in einem baptistischen Whirlpool voller sodomitischer Ursuppe."
"Jajaja", säuselte die zweite Stimme erregt, "gib meiner Liebe für dich Tiernamen, mein bester aller Unmenschen, gib sie ihr, damit wir uns was Schönes fiepen, winseln, schnurren können, und der Turteltaube, des Indischen Kuckucks, des Papageis, der Biene, des Datyuha-Huhns, des Flamingos, der Ente und der Wachtel Stimmen ahmen wir auch noch nach. Bist du der Affe, der mich laust? Ist dein Name Hase? Du und der Fuchs, sagt ihr euch gute Nacht? Schau, wie grau uns alle Schoßkatzen geworden sind. Schon schleichen sie scheu davon und werden zu reiner Theorie."
Ein Stöhnen wie kurz vor dem Höhepunkt kam aus dem Separee, dann meldete sich röchelnd wieder die erste Stimme zu Wort:
"Tiernamen, mein zutrauliches, handzahmes Zoon hyperlogikon, gib mir Tiernamen, auf die ich höre. Meine Rationalität war immer schon animalisch, meine Animalität rational. Beim Differentialrechnen bin ich ein echtes Viech. Um nicht zu entmenschen, muss ich vertieren. Domestiziere mich, bring mir Kunststücke bei. Im Menschen ist der Hund drin. Los, probieren wir's mal doggystyle."
